Johannes Piscator wurde am 17.3.1546 in Straßburg geboren und ist am 26.7.1625 in Herborn gestorben; seine Begräbnisstätte befindet sich in der Herborner Stadtkirche.
Insgesamt 41 Jahre begleitete der Theologe das Lehramt an der Hohen Schule zu Herborn und war Rektor daselbst in den Jahren 1584 – 1589, 1595, 1598 u. 1599.

Aus einfachem Elternhaus stammend wuchs Piscator in streng lutherischen Verhältnissen und in der Zucht kleinbürgerlichen Rechtsempfindens zu einem glaubensfesten Jüngling heran. Da sie mittlerweile – seiner Ansicht nach – etwas ins Profane gewandelten Verhältnisse in Wittenberg ihm nicht zusagten, ging er als Student nach Tübingen.

Aber dort geriet er mehr und mehr in Ungnade seines Professors Andreä, der die aufkeimenden calvinistischen Neigungen Piscators missbilligte und ihm jegliche Unterstützung verweigerte – ja sogar vor dem „Ketzer“, wie er ihn bezeichnete, warnte. Eine trotzdem verliehene Professur an der Universität Straßburg bewahrte Piscator dennoch nicht vor einer baldigen Verdrängung von seinem Lehrstuhl.
Seine nächste Wirkungsstätte war Heidelberg; dort traf er den auf Ausgleich zwischen Lutheranern und Calvinisten bedachten Olevian, den Mitverfasser des Heidelberger Katechismus und späteren Herborner Pfarrer und Theologieprofessor. Inwieweit sich die an das Luthertum annähernde Gesinnung des Olevian auf den Calvinisten Piscator auswirkte, ist nicht bekannt; beide mussten jedoch alsbald, nach der Durchsetzung des Lutherischen Gedankens in Heidelberg, ihre Wirkungsstätte dort verlassen.

Eine zufällige Zusammenkunft der beiden mit dem Nassauer Grafen Johann d. Ä. in Berleburg weckte bei dem Landesherrn die Vorstellung eine reformierte Schule einzurichten. Besondere Umstände erzwangen jedoch eine Verschiebung des großen Vorhabens. Piscator lehrte danach in verschiedenen calvinistischen Zentren. Erst 1584 berief ihn der Nassauer Graf an die nun doch eingerichtete Hohe Schule nach Herborn. Hier sollte er 41 Jahre lang lehren, und hier traf er auch seinen alten Freund Olevian wieder. Einladungen ausländischer, profunder ausgestatteter Lehrstühle lehnte er ab.
Piscators größtes Schaffen und sein größter Erfolg war die im Herborner Corvinischen Verlag erschienene „Piscator-Bibel“. Natürlich fand dieses Werk nicht überall Anerkennung – verschiedentlich wurde es bekämpft, ja sogar verboten. Die Lutheraner bezeichneten das Werk als „Straf mich Gott Bibel“.
Große Unterstützung hingegen erfuhr Piscator aus Bern und aus den Niederlanden, wo die Bibel des Gelehrten von Staatswegen eingeführt wurde.
Piscator schrieb über 200 theologische Bücher.

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Piscator (Fischer), Johannes (1546 - 1625), reformierter Theologe, geboren in Straßburg, humanistisch gebildet durch Johann Sturm, theologisch durch Zanchi, aber auch durch Marbach und J. Andreä in Tübingen, wandte sich dann endgültig Calvin zu. Er musste deshalb 1574 Straßburg und 1576 auch das in diesem Jahr lutherisch gewordene Heidelberg verlassen, wurde Schulrektor in Siegen, Prof. a. .d. Hardt und wieder Rektor in Moers. 1584 berief ihn Graf Johann von Nassau mit Olevian an seine neue Akademie von Herborn. Sie kam unter Piscator zur Blüte. Bekannt geworden sind seine Bibelkommentare und die Übersetzung, die "Piscatorbibel" (1602-04; in Bern 1684-1824 amtliche Bibel), mit bewusst reformierten Wendungen (z. B. 1. Tim. 2, 4: "allerley") und dem Zusatz Mk 8, 12, der ihr bei den Lutheranern den Spottnamen "Straf-mich-Gott-Bibel" eintrug. - Nach Piscator hat nur dieoboedientia Christi passiva (der leidende Gehorsam Christi als Sühneopfer, im Gegensatz zur oboedientia activa, der tätige Gehorsam Christi als Sühneopfer) satisfaktorische Wirkung.

Quellen: R. STECK, Die Piscatorbibel, 1897 - RE XV, 414f. (Lit.)

F. L. BOS, J. P. Beitrag z. Gesch. d. ref. Theol., Kampen 1932

K. J. LÜTHIO, Bern und die Piscatorbibel, 1946

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